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Machtlosigkeit der Einzelnen -

oder: Klimakatastrophe - was kann ich als Einzelne*r da tun?

 

Im Deutschen gibt es die Redensart vom Tropfen auf den heißen Stein. In Frankreich sagt man: „… comme une goutte d'eau dans la mer ...“, also wie ein Tropfen Wasser im Ozean. Das scheint auf den ersten Blick das Gleiche zu bedeuten und dennoch sind es in Nuancen andere Bilder und für meine Argumentation bevorzuge ich das Bild, wie es das Französische zeichnet. Denn was bleibt vom Wassertropfen auf dem heißen Stein? Er verdampft ohne den Stein merklich kühlen zu können. Der Tropfen besteht aus Wasser, weshalb er nie Teil des Steins sein wird und kann.

Anders verhält es sich mit dem Wassertropfen im Meer. Auch da scheint die Wirkung eines einzelnen Tropfens nichts zu bewirken, aber dennoch bleibt ein Tropfen sauberes Wasser in einem Meer aus Schmutzwasser ein sauberer Tropfen Wasser. Er verdunstet nicht und wird, wenn auch nur mit feinsten Instrumenten messbar, das Meer voll Schmutzwasser ein wenig sauberer machen.

Das gefällt mir, das hat nicht die Aussichtslosigkeit des Tropfen-auf-dem-heißen-Stein-Bildes. Und es mahnt uns zur Verantwortung. Wir alle sind das Problem, wenn wir Schmutztropfen sind und wir alle sind die Lösung, wenn wir Tropfen sauberes, klares Wasser im Ozean sind.

Was heißt das konkret?

Lassen wir uns nicht als naiv bezeichnen, weil wir Hoffnung haben, etwas zum Besseren wenden zu können.

Es ist nicht naiv, sondern schlicht und einfach richtig, wenn ich sage, dass es ohne Waffen und Soldaten keine Kriege gibt. Die Geschichte hat doch gezeigt, dass es viel naiver ist, zu glauben, man könne mit Gewalt Gewalt bekämpfen. Das dauernde Auge um Auge hat zu ganz viel Blindheit geführt.

Es ist nicht naiv zu denken durch Suffizienz, also einfach den Verzicht auf viele, meist völlig unnütze Dinge, könne man Großes bewirken. Unser aktuelles Wirtschaftssystem, das nur durch Konsum und noch mehr Konsum am Leben gehalten werden kann, ist hochgradig pervers im wörtlichen Sinne. Es schafft Arbeit, die uns nicht glücklich macht, aber die Zeit für sinnvolle Beschäftigung raubt; es plündert im rasanten Tempo die weltweiten Ressourcen und es lässt uns in einem Schnellzug mit immer höherer Geschwindigkeit in den Abgrund rasen.

Wer ist naiv?

Das kleine Mädchen in Stockholm mit dem Schild vorm Bauch?

Oder sind es Menschen, die immer noch denken, es könne ein Weiter so geben und alles ist und würde gar nicht so schlimm?

Und dann gibt es leider noch eine weitere Gruppe: Das sind die, die uns glauben machen wollen, wir seien naiv, wenn wir Wandel und Veränderung fordern. Die, die uns sanft einlullen mit allerlei nettem Konsum, einem tollen Urlaub an fremden Orten, einem schicken Auto, dem wöchentlichen Sportspektakel, also „Brot und Spiele“, so wie es die Mächtigen schon immer taten.

„Warum schweigen die Lämmer?“ fragt Reiner Mausfeld in seinem Buch.

Ich weiß es nicht. Wir hätten durch das Internet - bei allen Risiken und Ablenkungen -die Chance uns schlau zu machen und hinter die Fassaden zu blicken, wie bisher noch nie in der Menschheitsgeschichte.

Also Arsch hoch, Augen auf, lesen, sich informieren, Handlungsstrategien entwerfen und beginnen sie umzusetzen.

Jeder Tropfen zählt und wir alle zusammen sind das Meer.